Google AMP Facebook IA Icons

Accelerated Mobile Pages & Facebook Instant Articles – brauch ich das?

AMP & IM sollen der heißeste Sch*** sein: Mobil optimierte Website Designs, die Nutzern wesentlich schnelleres Surfen ermöglichen sollen. Aber sie machen auch abhängig.

Definition

Klären wir erstmal, was Google Accelerated Mobile Pages (kurz: AMP) ist. Hierbei handelt es sich um eine Technologie, die – wie der Name schon sagt – vor allem auf mobilen Geräten das Surfen beschleunigen soll. Multimediale Inhalte und natürlich Werbung sollen dann um bis zu 85 % schneller zur Verfügung stehen. Technisch gesehen handelt es sich dabei um HTML-Code, der nur die für den Leser relevanten Teile einer Webseite sofort lädt – also den ersten Ausschnitt auf dem Display. Die restlichen Informationen der Seite werden später oder gar nicht geladen.

Facebook Instant Articles (kurz: IA) funktioniert ähnlich: Veröffentlicht beispielsweise eine Zeitung einen Artikel, kann der Leser den Inhalt des Artikels vollständig in Facebook lesen und muss nicht auf die (externe) Webseite der Zeitung zugreifen. Da das Jonglieren mit unterschiedlichen Tabs auf Smartphones immer ein wenig knifflig ist, kann das ein Segen für den Leser sein. Facebook selbst spricht von einer verzehnfachten Darstellungsgeschwindigkeit und einer um 70 % erhöhten Chance, dass der Nutzer den Artikel wirklich bis zum Schluss liest.

Mit anderen Worten: Beide Unternehmen wollen das mobile Internet „schnellermachen“. Ob du diesem Trend blind folgen solltest, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

Nur Vorteile?

Der größte Pluspunkt beider Technologien liegt auf der Hand: Die Ladezeiten sinken drastisch und damit verbessert sich auch das Nutzerverhalten. Denn sich langsam füllende Ladebalken sorgen dafür, dass die geneigten Leser schnell wieder abspringen. Ist der gewünschte Inhalt für deine Besucher hingegen sofort „da“, können sich selbst Nutzer mit besonders niedriger Aufmerksamkeitsspanne nicht beklagen.

Zusätzlich erhöht sich aber auch die Sichtbarkeit im jeweiligen Medium. Denn Facebook und Google belohnen den Einsatz der eigenen Technologien mit besseren Platzierungen und längerer Sichtbarkeit.

google amp screenshot
Screenshot aus Google: Accelerated Mobile Pages

In Google erscheinst du mit deinen Artikeln in den mobilen Suchergebnissen immer öfters oberhalb der regulären Suchergebnisse. Sie werden mit einem AMP-Icon gekennzeichnet.

facebook ia screenshot
Screenshot aus Facebook: Instant Articles

Facebook belohnt den Einsatz der Instant Articles mit größerer Reichweite und längerer Halbwertszeit. Sie werden mit einem Blitz-Icon gekennzeichnet.

Du erreichst deine Zielgruppe also schneller, senkst Absprungraten und betreibst nebenbei sogar ein bisschen SEO bzw. Social Media Optimierung. Du erhöhst durch AMP und IA also deine Reichweite im Internet und erreichst deine Zielgruppe selbst im hintersten Winkel noch. Klingt toll, oder? Alles schneller, alles einfacher. Aber: Wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten.

Risiko von AMP und IA

Durch Google Accelerated Mobile Pages und Facebook Instant Articles können deine Besucher unterwegs zwar sehr viel schneller deine Inhalte sehen. Du musst allerdings bedenken, dass Anwender deine Webseite dann wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen. Artikel und News werden in den Suchergebnissen von Google und im Facebook Newsfeed gelesen. Da dort der komplette Inhalt lesbar ist, gibt es für den Anwender kaum einen Grund, auf deine Webseite zu wechseln. Die Information ist gefunden – wozu also auf einen Link klicken?

Unser hypothetischer Nutzer wird also mit deinen restlichen Medien gar nicht in Kontakt kommen. Was du sonst noch anbietest, verkaufst oder zur Diskussion stellst, bleibt für den Anwender in Zeiten von AMP und IA verborgen. Der Leser wird nur dann zu deiner Webseite wechseln, wenn er es aus eigenem Antrieb so will. Je nach Branche kann das ein großer Nachteil sein. Du erreichst im ersten Moment also vielleicht mehr Leser, wirst langfristig aber geringere Conversion-Raten in Kauf nehmen müssen.

Zusätzlich machst du dich damit abhängig von Google und Facebook. Verändern diese Unternehmen die Funktion von AMP oder IA in Zukunft, wirst du einfach mitziehen müssen (oder den Code aus deinen Webseiten entfernen, dann aber wahrscheinlich nicht ohne großen Einbußen). Außerdem sind selbst diese Giganten nicht „too big to fail“: Man erinnere sich an die zahlreichen geplatzten Dotcom-Blasen zum Wechsel des Jahrtausends. Oder zuletzt an Yahoo, die nicht mal mehr Yahoo heißen. Oder kennst du noch die Suchmaschine mit dem schwarzen Hund, mySpace und Lokalisten?

Es ist also nicht auszuschließen, dass es auch Google und Facebook so ergehen wird – sicher nicht heute oder morgen, aber doch in absehbarer Zeit. Je früher du dich unabhängig machst, desto besser ist es also. Und, ja, das geht sogar mit sehr einfachen Mitteln.

Kurz gesagt: setzt du auf Google AMP oder Facebook IA, lernst du deine Besucher nicht mehr kennen, die Kontakte bleiben bei Google und Facebook und du machst dich abhängig.

Von Facebook und Google lernen

Von der Nutzung von AMP oder IA (oder beiden Technologien im Bündel) rate ich aus den genannten Gründen zunächst ab. Denn abgesehen von den genannten Risiken sind Facebook Instant Articles und Google Accelerated Mobile Pages nicht wirklich stabil einsetzbar. Ihre Einsatzort beschränkt sich praktisch nur auf Blogartikel – Shops und statische Seiten werden kaum dadurch abgebildet. Hierfür wird’s zwar sicherlich bald Lösungen geben, allerdings dann eben nur unter den genannten Risiken.

Gleichzeitig sind die Vorteile nicht von der Hand zu weisen – aber die kannst du zum Teil auch selbst ausgleichen:

Die Optimierung von Ladezeiten erreichst du auch mit Bordmitteln und ohne die Einbindung von Plug-ins oder zusätzlichem Code. Ansehen solltest du dir unter anderem die folgenden Punkte:

  • Minimalistisches Design sorgt für Geschwindigkeit. Animationen, Slider (ja, du hast richtig gelesen) lenken nicht nur vom Wesentlichen ab. Sie sind auch in hohem Maße an der Geschwindigkeit deiner Seite beteiligt. Biete deinen Lesern die gesuchten Informationen – und nicht mehr. Design heißt immer noch „Form Follows Function“ und nicht „Bling Bling“. Achte aber gleichzeitig darauf, kein zu tristes oder zu wenig markantes Design zu verwenden. Optische Attraktivität ist schon von Vorteil, aber nur dann, wenn sie nicht zu Lasten der Performance geht.
  • Reduziere auch die Anzahl an Funktionen und Plugins. Durch unser SEO Plugin für WordPress kannst du dir beispielsweise das kostenlose Yoast Plugin, die Erweiterung zur Premium SEO, für News SEO und zur Shop Optimierung sparen. Oder einfach nur die langsamen Ladezeiten des niederländischen SEO Tools. Gleiches gilt aber auch für andere Plugins: vergleiche ihre Geschwindigkeit und hinterfrage ihren Mehrwert für deine Besucher.
  • Für den Einsatz großer Mediendateien solltest du nicht auf deinen womöglich viel zu kleinen Server zurückgreifen, sondern ein stabiles Content Delivery Network oder eben das Angebot von YouTube bzw. Vimeo. Videos (und Bilder) werden damit viel schneller ausgeliefert. Experimentiere außerdem mit dem Caching deiner Seite. Damit nicht jeder Leser bei jedem Besuch alle Bilder erneut laden muss, ist ein gut eingerichteter Zwischenspeicher für bestimmte Inhalte immer von Vorteil. Folge also beispielsweise meiner Anleitung zur Performance Optimierung, um deine Seite zu beschleunigen.

Mit diesen recht simplen Tipps reduzierst du Ladezeiten bereits drastisch und bildest das Prinzip von AMP und IA nach. Du verbesserst dadurch also deine Ladezeiten und das Besucherverhalten auf deiner Seite.

Fazit

Wie du siehst, sind die Accelerated Media Pages und Instant Articles mit mindestens ebenso vielen Nachteilen wie Vorteilen behaftet. Bevor du jetzt auf den neuesten Trend-Zug von Google und Facebook aufspringst, solltest du also zuerst abwarten und sehen, wie sich die Geschichte entwickelt. In der Zeit fokussierst du dich aber am besten auf ein minimalistisches Design sowie eine top Performance.

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