Typo 3, Joomla! und WordPress Logo

Die besten CMS im Vergleich: TYPO3 vs WordPress vs Joomla

WordPress, Joomla! und TYPO3 – das sind die drei in Deutschland am häufigsten eingesetzten Website Redaktionssysteme (engl. Content Management System, kurz: CMS) für Unternehmen. Über so ein „Betriebssystem“ lässt sich praktisch jede Website realisieren und  verwalten, doch zwischen den verschiedenen Anwendungen gibt es große Unterschiede.

In diesem CMS Vergleich beleuchte ich die Programmierung, Ausstattung, Programmieraufwand, Aufbau, Bedienbarkeit, Sicherheit und Design der drei bekannten Redaktionssysteme. Bevor ich mich jedoch dem eigentlichen Vergleich widme, möchte ich ein paar Fragen vorab stellen:

Was ist ein CMS?

CMS wie TYPO3, Joomla, Drupal oder WordPress, werden für die Erstellung und Verwaltung von Webseiteninhalten verwendet. CMS helfen Menschen ohne Programmierkenntnisse, Inhalte zu verwalten, moderieren und aktualisieren. Dabei werden die Informationen durch eine visuelle Oberfläche, dem sogenannten Editor oder Backend, in eine Datenbank eingegeben und mit Dateien auf dem Server kombiniert. Dateien können Bilder und Videos sein, sind aber immer Templateinformationen und Stylesheets. Das Template (bei WordPress als Theme bekannt) und Stylesheet ist für das eigentliche Design zuständig und führt die Informationen aus dem CMS, der Datenbank und dem Dateisystem zur Webseite, Blog, Shop oder Internetportal zusammen.

Die hier vorgestellten Lösungen werden als Open-Source-Versionen (kostenlos) angeboten. Zudem kann man kostenlose oder kostenpflichtige Erweiterungen (Extensions) für die verschiedensten Zwecke erwerben. Es gibt aber auch kommerzielle CMS, die vor allem für den Einsatz in Konzernen gedacht sind.

In 2016 wurde der Begriff des „Headless CMS“ geprägt: dies ist eine andere Form von Website Redaktionssystem, bei der auf das Template verzichtet wird. Hier gibt es nur das Backend zur Verwaltung der Inhalte. Die Inhalte werden dann über eine Schnittstelle (engl. Applications Programming Interface, kurz API) an eine oder mehrere Webseiten ausgegeben. Headless CMS eignen sich somit vor allem für große Internetportale und Verlage, kaum für reguläre Blogs, Webseiten oder Online Shops.

Brauche ich ein CMS?

Ein Content Management System ist dann erforderlich, wenn Website-Inhalte mehr oder weniger regelmäßig aktualisiert werden sollen. Ist keine (häufige) Aktualisierung notwendig und können technische Ansprüche auch ohne CMS realisiert werden, kann darauf auch verzichtet werden.

Denn eine Webseite mit Redaktionssystem erfordert meistens mehr Setup- und Programmierarbeit sowie regelmäßige Wartung in Form von Updates. Sparst du dir die Kosten für das CMS, kannst du auch (ab und zu) einen Programmierer bzw. deine Agentur beschäftigen, um Inhalte zu aktualisieren.

Es gibt aber Funktionen und Projekte, die sollten nicht ohne Redaktionssystem gelöst werden: ein Blog, Online Shop oder ein Internetportal. Darüber hinaus empfehle ich jedem Unternehmen, welches im Web aktiv kommuniziert, ein CMS. Denn der Prozess Inhalte über Programmierer oder Agenturen einzugeben ist einfach nicht effizient: der Verantwortliche, der die Inhalte erstellt, sollte sie ohne Umwege veröffentlichen können. Ansonsten erzeugt der Redaktionsprozess schnell hohe Kosten, da zusätzliche Abstimmungen und Kontrollen erforderlich sind.

Wann ist ein CMS Wechsel erforderlich?

Grundsätzlich rate ich nur dann zum Wechsel des Redaktionssystems, wenn das bisherige CMS an (Prozess-) technische Grenzen stößt. Funktioniert das bisherige Content Management System und sind alle Pläne darauf realisierbar, würde ich kein CMS Wechsel vornehmen – gemäß dem Grundsatz „never touch a running system“. Hier empfiehlt sich eher ein regelmäßiges Redesign bzw. eine Designoptimierung alle 2-3 Jahre (das entspricht der Halbwertszeit einer Webseite).

Der CMS Wechsel ist recht aufwändig: Inhalte, Strukturen und Bilder müssen vom alten CMS in das Neue gebracht werden. Es gibt viele Fallstricke wie dadurch entstehende tote Links oder auch die Umgewöhnung der Redaktion, die beim Relaunch auf einem anderen Redaktionssystem berücksichtigt werden müssen. Es gibt Agenturen und Anbieter, die sich auf CMS Wechsel spezialisiert haben und idealerweise sowohl das alte als auch das neue Redaktionssystem kennen. Ein CMS Wechsel ohne Kenntnisse empfehle ich nicht: hier sind die Risiken eines Google-Rankingverlustes zu groß.

Verbreitung der wichtigsten CMS

Oft werden CM-Systeme von großen Communities getragen und ständig weiterentwickelt. Das mit Abstand am weitesten verbreitete CMS 2016 war WordPress: der Umfrage von Statista zufolge soll es das auch 2017 bleiben. Ich bin mir sicher dass es die kommenden Jahre sogar noch mehr Marktanteil ausbauen wird.

WordPress Joomla! Drupal Magento Blogger TYPO3
58,8% 6,4% 4,9% 2,9% 2,7% 1,5%

Da ich mich mit WordPress, Joomla! und TYPO3 gut auskenne, beleuchte ich in diesem Beitrag nur diese 3 CMS. Mit Drupal, Magento und Blogger kenne ich mich nicht genug aus, um einen anständigen Vergleich zu ziehen. Die Marktanteile von Drupal, Magento, Blogger und TYPO3 sollen Statista zufolge aber ohnehin sinken.

Interessanterweise höre ich deutlich öfters von Websites auf TYPO3-Basis als auf Drupal, Magento oder Blogger. Das liegt in erster Linie daran, dass ich mich hauptsächlich mit Webseiten von mittelständischen Unternehmen beschäftige, und mit WP und TYPO3 einfach mehr derartige Projekte realisiert werden.

Blogger ist übrigens das CMS bzw. Blog-System von Google. Es ähnelt WordPress, kann aber im Gegensatz zu dem Open Source System nur auf der Plattform von Google gehostet werden. WordPress.com ist auch so eine gehostete Umgebung, allerdings kenne ich bisher kein Unternehmen und kein professionelles Blog, welche darauf setzen. Vielmehr setzen Webseitenbetreiber und Blogger auf die Open Source Lösung WordPress.org, die auf einem eigenen Server Provider gehostet werden kann.

Großer Vorteil der so hohen Verbreitung von WordPress ist (also), dass es extrem viele Entwickler gibt, die sich mit dem Redaktionssystem auseinandersetzen, es bedienen können und entsprechend schnell weiter entwickelt wird. Andere CMS können nicht von so einer großen und aktiven Community profitieren wie WordPress (kurz: WP).

Unterschiede in der Bedienung

Screenshot aus Codecanyon

Die Ursache in der großen Verbreitung von WordPress ist die einfache Bedienung. Praktisch ohne Fachwissen kann so eine Seite eingerichtet und betrieben werden. Als ich DELUCKS noch als Internetagentur betrieben habe, haben wir unseren Kunden mit einem 20-Minütigem Coaching Video die gesamte Website Bedienung erklärt. Klar ist man dadurch noch kein WordPress-Profi, aber Inhalte und Menüs kann man dadurch schon bearbeiten. Bei den anderen CMS würde ich dafür mindestens einen 1-2 Workshop einplanen.

WP ist heute so flexibel, dass man praktisch alle Inhalte per „Drag and Drop“ bearbeiten kann. Dies wird vor allem mit visuellen Editoren wie dem Visual Composer (kostenpflichtiges Plugin) oder Elementor (kostenlose Alternative) realisiert.

Bei der Einführung in TYPO3 sollte ein „Normalsterblicher“ dagegen einen mehrstündigen Kurs mit einplanen, um die Komplexität des Systems zu erlernen. Durch die aktuelle Oberfläche „Neos“ soll sich TYPO3 dann ebenfalls per Drag and Drop bedienen lassen, allerdings lässt das einer befreundeten TYPO3-Agentur zufolge noch zu Wünschen übrig. TYPO3 ist also aktuell nach wie vor das am schwierigsten zu erlernende CMS.

Joomla! hat mit dem SP Page Builder auch eine kostenpflichtige Erweiterung zur visuellen Bearbeitung von Inhalten im Angebot. Außerdem ist Joomla! von der Menü-Logik ähnlich einfach zu bedienen wie WordPress. Jedoch kann die große Menge an Eingabefeldern ebenso schnell verwirren, wie bei einem stark erweiterten WordPress- oder Typo3-System, insofern ist auch hier ein Coaching Pflicht.

WordPress ist also in Sachen Bedienung mit Joomla! gleich auf: beide System lassen sich auch ohne umfangreiches Fachwissen innerhalb kürzester Zeit erlernen und somit sehr einfach bedienen. TYPO3 ist meiner Meinung nach zu kompliziert für normale Anwender, Marketingverantwortliche und Kommunikatoren.

Aufbau der CMS

Bei WordPress und Joomla! hat man im Backend (= Administrationsmodus) Seiten und Artikel aus Kategorien, die man automatisch oder manuell im Menü platzieren kann. Artikel und Seiten werden listenweise dargestellt und müssen nicht der Menüstruktur entsprechen.

In TYPO3 sind die Inhalte dagegen komplett als Baumdiagramm aufgebaut, wie man ihn aus Sitemaps von Websites kennt.

Dies ist logischer als in WordPress und in Joomla!, dafür kann man aber auch schnell die Übersicht verlieren, insofern ist der Aufbau Geschmackssache.

Programmiersprachen und Datenbanken

Sowohl WordPress als auch Joomla! und TYPO3 basieren auf der Programmiersprache PHP, welche Inhalte einer MySQL Datenbank visuell umwandelt.

Bei TYPO3 können Unternehmen alternativ auf eine PostgreSQL oder Oracle Datenbank setzen, dafür müssen hier Programmierer nicht nur die Besonderheiten des CMS kennen, sondern auch die Programmiersprache Typo Script beherrschen. Diese Zusatzanforderungen schlagen sich nicht selten in höheren Stundensätzen nieder.

Aussattungsmerkmale und Programmieraufwand

Als OpenSource Redaktionssysteme gibt es für alle drei Redaktionssysteme Erweiterungen (Komponenten, Module, Widgets oder Plugins genannt), welche Internetagenturen integrieren und individualisieren können. WordPress ist vom Angebot her am größten, was auf die enorme Größe der Community zurückzuführen ist. Dadurch gibt es auch eine besonders große Gemeinschaft an Entwicklern, die ihre Erweiterungen oftmals kostenlos zur Verfügung stellen.

Bei Joomla! ist die Anzahl an Erweiterungen groß, bei TYPO3 ist sie allerdings schon überschaubar, da die beiden CMS primär für Corporate Websites, letzteres oftmals für große Mittelständler oder Konzerne kommerziell eingesetzt werden und deren Entwickler nicht so tauschfreudig mit ihrer Arbeit umgehen.

Durch die höhere Anzahl an Erweiterungen und besser ausgestatteten WordPress und Joomla! Redaktionssysteme (bspw. sind Blogfunktionen standardmäßig integriert) sind grundsätzlich weniger Individualisierungen zu treffen als bei einer TYPO3 Website. Speziell bei Websites mit einer großen Anzahl an unterschiedlichen Moderatoren können TYPO3 und Joomla! punkten, da sie ein ausgereifteres Rechtesystem haben als WordPress. Bei letzterem muss man dies über (eigene) Erweiterungen abdecken, und hätte somit gegebenenfalls mehr Programmieraufwand.

Sicherheit von Redaktionssystemen

Grundsätzlich arbeiten alle Entwickler der gängigen CMS an der Sicherstellung der Systeme. Sicherheitsrelevant sind weniger die Systeme selbst als deren Erweiterungen, die relativ schnell geschrieben werden können und keiner Qualitätskontrolle unterliegen. Die Unterschiede in der Sicherheit der Erweiterungen sind marginal: Bei WordPress sind zu 80% die Erweiterungen für Schwachstellen von Webseiten verantwortlich, bei TYPO3 sind es 86%, dicht gefolgt von Joomla! mit 87% (Quelle: Bundesamt für für Sicherheit im Internet).

Trotzdem gibt es Unterschiede: Schwachstellen in der Code Ausführung, als Möglichkeiten für Angreifer, eigenen Code auf dem System auszuführen, sind besonders ein Problem von TYPO3 und Joomla!. Neben Cross-Site-Scripting (Schadcodes werden in/statt externen Programmteilen eingesetzt) und SQL-Injection (Angriffe auf die Datenbank-Kommunikation) sind dies die am weitesten verbreitetem Probleme von Content Management Systemen.

Design und Barrierefreiheit

Die gestalterische Umsetzung von Webseiten ist kaum abhängig vom Redaktionssystem. Insofern schenken sich die drei CMS grundsätzlich nichts in Sachen Design und Barrierefreiheit, welche ein Bestandteil des Webdesigns ist. Es ist aber anzumerken dass es wesentlich mehr vorgefertigte Designs – sogenannte Templates oder Themes – für WordPress und Joomla! gibt, als für TYPO3. Vorgefertigte Designs sollte man zwar nie ohne Individualisierungen auf das jeweilige Unternehmen übernehmen, allerdings ist der Aufwand für die Programmierung meist wesentlich überschaubarer als ein komplett neues Design zu programmieren.  Speziell bei Responsiven Designs, welche sich automatisch auf die Browserauflösung anpassen und somit aus der Welt der Smartphones und Tablet PCs nicht mehr wegzudenken sind, macht es Sinn auf ein vorgefertigte Templates oder zumindest ein erprobtes System (Grid genannt) zu  setzen, um nicht die Website für jede erdenkliche Auflösung neu programmieren zu müssen.

Ausblick

Grundsätzlich ist die Zukunft von WordPress im CMS Benchmark Vergleich am rosigsten. Doch wohin werden sich die gängigen Redaktionssysteme in der Zukunft entwickeln, welches ist das zukünftig erfolgsversprechende CMS? Es lassen sich drei eindeutige Trends festlegen: CMS mit einer einfachen Redaktion, Social Media Schnittstellen und mobiler Freundlichkeit werden sich durchsetzen, um flexibel und effizient kommunizieren zu können.

  • Einfache Redaktion heißt dass das CMS leichter und vor allem ohne großes Hintergrundwissen erlernbar ist, um somit einem größeren Publikum zur Verfügung zu stehen. WordPress steht hier an erster Stelle, wobei sich auch Joomla sehen lassen kann.
  • Mit weiterhin hoher Relevanz von Social Media auch in den Suchmaschinen wird es obligatorisch, dass entsprechende Kanäle auch über die eigene Website mit Informationen gefüllt werden können. Alle gängigen Redaktionssysteme kann man mit entsprechenden Schnittstellen mehr oder weniger leicht erweitern.
  • Mobile Freundlichkeit ist der letzte wichtige Punkt: Immer mehr Menschen gehen fast nur noch mit einem Smartphone oder Tablet PC ins Internet. Wer seine Webseiten nicht darauf anpasst, wird schnell auf der Strecke bleiben. Und die CMS, die dahingehend die besten Möglichkeiten bieten, sowohl angepasste (responsive) Websites als auch mobile Websites mit unterschiedlichen Inhalten zu den Desktop-Versionen bereitzustellen, werden sich stärker durchsetzen. Mobile Templates und Responsives Design kann man jedoch auf jedem der drei großen Redaktionssysteme realisieren.

Fazit

WordPress ist eigentlich die beste Wahl, da das CMS sowohl einfach zu bedienen, wartungsfreundlich, kostengünstig, weit verbreitet und damit die zukunftsfähigste Lösung ist. WordPress ist nicht nur als Corporate Blog und Corporate Website geeignet, sondern empfiehlt sich auch als kleiner bis mittlerer Online Shop. Denn mit dem integrierten Shopsystem „WooCommerce“ lassen sich WordPress‘ Möglichkeiten zur Inszenierung der Inhalte und Kommunikation perfekt verbinden. Und: Fast alles bei WordPress lässt sich ohne Fachwissen und Programmierkenntnisse selbst einstellen.

Was mir persönlich aber gut an Joomla! gefällt ist die äußerst flexible Menübearbeitung. Der visuelle Editor hat auch Potenzial. Nichtsdestotrotz ist Joomla! wenig verbreitet und eignet sich am besten für spezielle Anwendungen wie zum Beispiel Inhalts- oder Branchenverzeichnisse: Hier lassen sich besonders einfach zu pflegende Inhaltsvorlagen anlegen (über die Erweiterungen K2, SobiPro etc.). Der Wermutstropfen hier sind die oft noch etwas unausgereiften Erweiterungen.

TYPO3 macht vor allem dann Sinn, wenn es um hochkomplexe Internetportale bis hin zum Intranet geht. In dem Fall hat ein Unternehmen dann aber auch eigene Programmierer, um die Lösungen zumindest administrieren zu können.

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