Markenstrategie: Vorsicht beim Domainwechsel!

Wer seine Domain unüberlegt ändert, riskiert massive Sichtbarkeitsverluste in Google. Deswegen sollte man sehr vorsichtig bei der Markenstrategie sein.

Domains und Marken sind nicht nur aus Nutzersicht eng miteinander verbunden und werden idealerweise so selten wie möglich geändert. Suchmaschinen bauen ebenfalls mit Domains „Erinnerungen“ auf. Wer seine Domain unüberlegt ändert, riskiert die jahrelang aufgebaute Reputation zu verlieren. Daher gilt:

Eine Domain ist wie ein guter Wein: Je älter, desto besser. Ein Domainwechsel sollte stets vermieden werden.

Wann brauche ich eine neue Domain?

Eigentlich nur, wenn du eine neue Firma, eine neue Marke oder ein neues Projekt aufbauen willst. Wenn du eine Dachmarken-Strategie fährst und „nur“ ein neues (Unter-) Produkt vermarkten willst (also das Produkt unter deiner Hauptmarke veröffentlichst), rate ich von weiteren Domains ab, außer du sicherst sie gegen den Zugriff anderer.

Wenn deine neue Marke es erfordert und du feststellst, dass deine bisherigen Domains nicht mehr sinnvoll sind, weil beispielsweise deine Marke sich verändert, du internationalisierst und dabei bspw. von .de auf .com wechseln willst oder jemand anders eine sehr ähnliche Domain hat und damit dir auch noch Konkurrenz macht, kann jedoch ein Domainwechsel erforderlich sein.

Welche Kriterien sollte eine neue Domain erfüllen?

Neue Domains sollte vor allem einfach einzuprägen und kurz sein. Mehr als ein Wort sollte sie nicht haben, um Rechtschreibfehler durch Trennzeichen zu vermeiden. Je komplizierter deine Domain ist, desto mehr Varianten musst du für dich buchen, um möglichst alle Fälle von Rechtschreibfehlern zu berücksichtigen.

Für Unternehmen, die langfristig nur in Deutschland positioniert werden sollen, reicht theoretisch eine .de-Domain aus. Diese Länder-Domain ist aber für internationales Marketing – auch in Österreich und der Schweiz – aber kaum geeignet. Alle anderen Unternehmen sollten daher eine internationale Domainendung wie .com oder .co fokussieren.

Am besten wird die Domainwahl zusammen mit der Markenstrategie getroffen: Man sollte in allen Ländern präsent werden können (ggf. lokale Domainendungen gleich mit buchen) und sicherstellen, nicht gegen geschützte Marken zu verstoßen. Nachdem du unterschiedliche freie Domains mit deinem Hoster oder einem Tool wie dem Domain-Brainstormer recherchiert hast, ist also eine Markenrecherche beim Deutschen Patent- und Markenamt sowie in jeweiligen lokalen Pendants wichtig.

Machen Keyword-Domains Sinn?

Ja, sofern sie einfach sind und als Titel deiner Website Sinn machen, auf jeden Fall. Du kannst Domains wie zahnarzt-muenchen.de zwar auch einfach so sichern, damit sie die Konkurrenz nicht übernehmen kann, allerdings bringt dir das nichts, außer sie zu blockieren. Denn Keyword-Domains bringen dir nur dann was, wenn du sie als Hauptdomain benutzt. Sie spielen ihre Vorteile aus, wenn andere Seiten auf dich verlinken und du mit ihnen Reputation aufbaust. Einen Link wie „Zahnarzt München“ erkennt Google normalerweise als Unnatürlich und würde ihn entwerten, obwohl die Keywords für dich wichtig sind. Mit der Keyword-Domain kannst du dem entgegenwirken und auch solche „unnatürlichen“ Links zur Suchmaschinenoptimierung nutzen.

Bedenke aber, dass du dich durch Keyword-Domains abhängig machst. Sollten Änderungen von Suchbegriffen, Suchgewohnheiten oder Standorten erfolgen, musst du wieder von Null anfangen. Ich würde deswegen Keyword-Domains nur für besondere Themenseiten verwenden.

Empfehlung: Eine Eintragung deiner Marke ist ein zusätzlicher Schutz vor Trittbrettfahrern, welche die Bekanntheit deiner Marke mit nutzen wollen.

Soll ich eine fremde abgelaufene Domain übernehmen?

Manchmal findest du durch Zufall eine Domain, die zum Verkauf steht, oder durch Recherche auf Expired Domains. Meist haben diese „Expired Domains“ interessante Links, die du durch die Übernahme einfach für dein Unternehmen gewinnen kannst. Diese verlieren zwar rasch an Wert, aber wenn die Domain erst vor kurzem frei geworden ist, kannst du mit einer abgelaufenen Domain gut ein neues Projekt hochziehen oder eine Landingpage entwickeln, welche wiederum deine Hauptseite verlinkt und dadurch pusht. Wir nennen so etwas in der SEO „Camouflage“, da der eigentliche Zweck der Domain verschleiert wird.

Die Domain lichtdruckwerkstatt.de habe ich übernommen, da ich dadurch einen begehrten Wikipedia-Backlink übernehmen konnte und um für meine SEO-Seminare ein Beispiel zu haben. Die dort eingerichtete Landingpage ist eigentlich nur eine Art Platzhalter. Hierbei handelt es sich um Greyhat SEO – ich bewege mich damit in einer gesetztlichen Grauzone.

So funktioniert ein Domainwechsel

In der Regel dauert ein Domainwechsel 48h, bis deine Website auf allen Rechnern unter der neuen Domain und/ oder einem neuen Hoster erreichbar ist. Wie lang es dauert, bis sich deine Google-Rankings übertragen, hängt vom Domainalter und der Reputation ab. Je jünger die alte Domain war und je schneller du alle Verlinkungen auf die neue Domain umstellst, desto eher wird die neue Domain indexiert. In der Regel dauert es 1-6 Monate, bis alles richtig läuft. Dazu folgst du am besten diesen drei Schritten:

  1. Zunächst bereitest du für alle URLs deiner bisherigen Website Weiterleitungen zur neuen Domain vor und erstellst eine Umzugsseite für deine alte Domain, welche eine Nachricht zum Domainwechsel („Wir sind umgezogen“ o. ä.) mit Call-to-Action-Button zur neuen Domain hat und 50–300 Wörter über die Firma sagt, die darunter zu finden war.
  2. Anschließend stellst du deine bisherige Website auf die neue Domain um und schaltest die Umzugsseite unter der alten Domain online. Mit der Umzugsseite legst du, wie in der Anleitung für die Weiterleitungen beschrieben, eine .htaccess-Datei an, welche alle Unterseiten der alten Domain auf die Unterseiten der neuen Domain weiterleitet. Die Startseite der alten Domain – die Umzugsseite – sollte nach wie vor und ohne Umleitung erreichbar sein. Teste dann die Weiterleitungen, indem du ehemalige Links zu Unterseiten aufrust (notfalls einfach mal googeln) und zur neuen Domain weitergeleitet wirst. Wenn hier etwas nicht funktioniert, liegt das meistens an einem Fehler in der .htaccess-Datei – entweder korrigierst du ihn selber oder dein Hoster bzw. ein SEO-Experte deiner Wahl hilft dir bei der Lösung.
  3. Anschließend stellst du in deiner Website, die sich nun auf der neuen Domain befindet in 
    1. Google Analytics unter Verwaltung > Property-Einstellungen und unter Verwaltung > Einstellungen der Datenansicht die Domain um. 
    2. Dann richtest du die neue Domain in der Google Search Console ein und bestätigst die Inhaberschaft am besten mit Google Analytics, notfalls per HTML-Datei oder Meta-Tag.
    3. Zu guter Letzt bitte in Google My Business sowie allen wichtigen Internetprofilen deiner Firma die Domain anpassen.

Fazit

Am besten fährst du mit einer Dachmarkenstrategie und einer Domain – auch bei internationalen Projekten. Denn mehrere Domains erfordern mehr Arbeit und Geduld. Bevor du mehrere Domains parallel etablierst, würde ich immer die Inhalte auf einer Domain zusammenfassen – also bspw. auch dann, wenn du deine Länderseiten in einer Website konsolidierst. In manchen Fällen kommst du aber nicht dabei rum, mehrere Domains zu nutzen. Dann gehst du am besten sportlich damit um ????